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Im Kloster, Raum 1

Im Jahr 1919 besiedelten vertriebene Mönche der Abtei Emaus in Prag das Kloster Neresheim. 1920 folgt die kanonische Wiedererrichtung der Abtei. Nach mehr als einhundert Jahren Unterbrechung seit der Säkularisation im Jahr 1803 nimmt erneut eine Gemeinschaft von Benediktinern ihre Lebensform und ihr Wirken nach der Regel ihres Ordensgründers, der Regula Benedicti, auf dem Ulrichsberg über Neresheim wieder auf.

Im Sinne von „ora et labora“ widmen sich seither Patres und Brüder der Liturgie, dem Chorgebet, seelsorgerischen Aufgaben, aber auch wissenschaftlicher und künstlerischer Arbeit und Lehrtätigkeit.

Der Konvent ist bemüht, seine Lebensgrundlagen weitgehend selbst zu sichern: durch die klostereigene Landwirtschaft, durch eigene handwerkliche Werkstätten sowie durch den Betrieb des Klosterhospizes als einem Ort der Besinnung, Bildung und Begegnung.

Die Bilder vermitteln ausschnittweise Einblick in das Leben und Wirken der Mönche einer Benediktinischen Klostergemeinschaft. Das gemeinsame Gebet eröffnet, bestimmt und beendet den Tagesrhythmus. Dazwischen sind die Stunden mit Hand- oder Geistesarbeit ausgefüllt – mit theologischen, philosophischen oder historischen Studien, mit künstlerischem oder handwerklichem Schaffen.

Der Musikpflege, sei es an der Orgel oder im Chorgesang, gehört besonders Aufmerksamkeit. 2004 wurde der „Knabenchor Abtei Neresheim“ gegründet. Chorknaben im Alter zwischen sechs und sechzehn Jahren erhalten eine fundierte Gesangsausbildung. Der Neresheimer Konvent öffnet seine Abteikirche für Orgel-, Instrumental- und Gesangskonzerte international bekannter Interpreten.

Das Klosterhospiz steht als Stätte der Besinnung, Bildung und Begegnung zur Verfügung – Begegnung der Gäste und Besucher auch mit der reichhaltigen Kloster- und Bau geschichte, in Vorträgen und Führungen von den Mitgliedern des Konvents interpretiert.

Die Kloster- und Baugeschichte, Raum 2

In der Prälatur, dem ehemaligen Wohn- und Arbeitsbereich der Äbte, sind auf einer Geschossebene die Kloster- und Baugeschichte zusammengefasst. Zwei Räume veranschaulichen alle wichtigen Ereignisse, in welche die Abtei vom Jahr ihrer Gründung bis hin zur Säkularisation eingebunden war.

Der Aurelisaal, die „gute Stube“ der Prälatur, vermittelt ein authentisches Bild, mit welchem Anspruch die Ausgestaltung der Baulichkeiten hinsichtlich der angestrebten Erhebung des Klosters zum Reichsstift erfolgte. Ein Raum ist der Planung und Ausführung von Neresheims berühmter Abteikirche gewidmet. Erstmals werden alle zwanzig erhaltenen Planvarianten in originalgetreuer Wiedergabe gezeigt. Sie dokumentieren die Verwirklichung von Balthasar Neumanns letztem großen Sakralbau als Krönung seines Lebenswerkes.

Die Ausstattung der Abteikirche, vorrangig die Entstehung der Kuppelfresken, schließt sich als nächstes Thema an. Für jedes der sieben Kuppelgemälde fertigte Martin Knoller eine detailgetreue Ölskizze. Diese Vorarbeiten bilden den zentralen Rauminhalt und eine besondere Attraktion des Museums. Neresheim gehört zu den wenigen Klöstern mit großer Vergangenheit, in denen auch gegenwärtig noch mönchisches Leben stattfindet. Was dieses Leben beinhaltet, darüber gibt ein Bildzyklus ergänzend zur Klostergeschichte als Brücke zwischen gestern und heute Auskunft.

Der erste Raum zur Geschichte des Klosters zeigt die wesentlichen Daten seiner Entwicklung in der Zeitspanne zwischen der Gründung im Jahr 1095 und seinem Niedergang gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges, der auf dem Härtsfeld große Verwüstung zurückließ. In der Wandvitrine links eine frühbarocke Darstellung der Schutzpatronin St. Afra, daneben ein Abtstab aus der Gegenwart.

Darstellung Nr. 1

In der Tischvitrine des Raumes eine Urkunde, ausgestellt am 10. Oktober 1792 nach der feierlichen Konsekration der neuen Abteikirche des Reichsstifts, mit dem Siegel und der eigenhändigen Unterschrift des Weihbischofs Johann Nepomik August von Ungelter, Augsburg (Original im Archiv der Abtei Neresheim).

Außerdem verschiedene Siegelstöcke der Neresheimeräbte aus dem 18. Jahrhunderts.

Die Entstehung des Klosters

1095

„Neresheim wurde gegründet und erhielt Abt Ernst. Viele begannen nach Jerusalem zu ziehen.“ Das Jahr, in welchem Papst Urban II auf der Synode in Clermont zum ersten Kreuzzug aufruft, gilt nach den „Neresheimer Annalen“ als urkundlich gesichertes Gründungsdatum des Klosters. Graf Hartmann und Gräfin Adelheid von Dillingen-Kyburg bieten ihr Eigengut auf dem „Herten Veld“ Kanonikern als bleibende Heimstatt. Die Grenzburg aus dem 9. Jahrhundert wird Chorherrenstift. Papst Urban II bestätigt die Schenkung, stellt sie unter den immerwährenden Schutz des Apostolischen Stuhles, wofür jährlich als Zins ein Goldgulden an den Lateran zu zahlen ist. Der Papst bestimmt Graf Hartmann auf Lebenszeit zum Schutzvogt des Klosters und danach seine Söhne, „... wenn Sie sich für den Ort als nützlich erweisen.“ 1106 beruft Graf Hartmann Mönche aus Petershausen bei Konstanz nach Neresheim. 1120 wird das Kloster durch den päpstlichen Legaten Azzo und Bischof Ulrich von Konstanz geweiht. Als Schutzpatrone werden St. Ulrich († 973), Bischof von Augsburg, aus der Stifterfamilie der Grafen von Dillingen stammend, und St. Afra, eine Märtyrerin, die 304 in Augsburg verbrannt wurde, gewählt. Graf Hartmann, der Stifter des Klosters, lebt nach dem Tode seiner Gemahlin als Laienbruder im Kloster Neresheim, wo er im Jahr 1121 stirbt.

Darstellung Nr. 2

Grabmal des Grafen Hartmann von Dillingen-Kyburg. Darstellung als Stifter, Vogt und Beschützer des Klosters Neresheim, dessen Kirche symbolisch in Händen haltend.

Hirsauer Reform

1109

Die Reform von Cluny beeinflusst mehr und mehr das geistliche Leben in Süd-deutschland durch das Wirken des Klosters Hirsau; seine strenge Observanz nach der Regel des Hl. Benedikt findet zunehmende Verbreitung. Theoderich, Mönch von Hirsau und zum Abt von Petershausen bestellt, entsendet Benediktiner nach Neresheim. Es folgen weitere aus dem Kloster Zwiefalten. Neresheim wird zum Reformkloster Hirsauer Prägung. Kloster Petershausen bei Konstanz, Ausgangsort der ersten Mönche, die zwischen 1106 und 1109 Neresheim besiedelten und das Chorherrenstift in ein Benediktinerkloster nach Hirsauer Vorbild umwandelten.

1164

Zwischen seiner Gründung im Jahr 1095 und der Säkularisation 1802 wurde das Kloster Neresheim sechsmal niedergebrannt. Immer wieder wurde es aufgebaut, größer, eindrucksvoller als zuvor. Das Aussehen seiner ersten Bauten ist nicht überliefert. Doch der wechselvolle Schicksalsweg bezeugt die Bedeutung, die dem Kloster trotz aller Widrigkeiten in der politischen und kulturellen Entwicklung Schwabens zukam.

Darstellung Nr. 3

Eine der wenigen überlieferten Handschriften aus der Gründerzeit Neresheims. Widmungstitel eines Codex mit Auslegungen zu den ersten acht Büchern des Alten Testaments. „Ulrich schütze deine Diener und Bücher und bewahre Neresheim, deinen heiligen Ort. Dieses Buch wurde auf Veranlassung Ortliebs geschrieben. Deswegen schenke ihm Christus die Heimat der Ruhe. Ortlieb, Abt dieses Ortes, erbeten von Zwiefalten, starb im Jahr der Geburt des Herrn 1164. Er ruhe in Frieden.“

Schirmvogtei

1246

Während des Streites zwischen Papst und Kaiser werden die treu auf Seiten der Kurie stehenden Hirsauer Reformklöster verwüstet. König Konrad IV, Sohn des gebannten Stauferkaisers Friedrich II, steckt Neresheim zwischen 1246 und 1249 mehrmals in Brand und zerstört die „ecclesia primaria“. Er nutzt das Kloster als Stützpunkt, um auch die Besitzungen der päpstlich gesinnten Grafen von Dillingen auf dem Härtsfeld auszuplündern und niederzubrennen.

Darstellung Nr. 4

Friedrich II, römisch-deutscher Kaiser von 1215 bis 1250, König von Sizilien und Jerusalem. Auf seine Veranlassung wird Neresheim wiederholt verheert. Darstellung nach einem Bild des thronenden Kaisers im „Falkenbuch“, 13. Jahrhundert (Biblioteca Apostolica Vaticana, Rom).

1258

Die Dillinger Stifterfamilie stirbt aus. Auf den weltlichen „Schutz“ des Klosters, die Schirmvogtei samt den dazugehörigen Steuer, Zoll-, Forst- und Jagdrechten, erheben die Grafen von Oettingen gewaltsam Anspruch. Eine Vergleichsverhandlung unter Vorsitz von Bischof Albertus Magnus erklärt 1263 den Vogtei-Anspruch vorbehaltlich für gültig und löst damit 500 Jahre währende gerichtliche Auseinandersetzungen aus.

Darstellung Nr. 5

Der Dominikaner Albertus Magnus (1193-1280) aus dem nahen Lauingen, Magister der scholastischen Philosophie und Theologie, Bischof von Regensburg und päpstlicher Legat.

Sein Schiedsspruch am Mittwoch vor Christi Himmelfahrt 1263 im Kloster Hl. Kreuz in Donauwörth erklärt den Anspruch auf die Vogteirechte so lange für rechtens, bis das Hochstift Augsburg seine Schulden beim Hause Oettingen beglichen hat.

Kastler Reform

1331

Den Heimsuchungen folgen Phasen des Wiederaufbaues, der Gebäudeerweiterung, auch der geistlichen Erneuerung und Festigung. Der Konvent wächst. Er zählt zeitweilig dreißig und mehr Benediktiner. Im Jahr 1331 wird ein neuer Konventbau begonnen und 1333 mit einem neuen Kreuzgang beendet. Im 15. Jahrhundert wird Neresheim wiederholt durch Äbte visitiert, die der Kastler Reform verpflichtet sind.

Darstellung Nr. 6

Kloster Kastl in der Oberpfalz. Mittelpunkt einer „Nachblüte der Hirsauer Reform in Bayern“, die auch auf die Klöster im stlichen Schwaben übergreift und ihnen neue Impulse gibt. Unter Abt Eberhard von Emershofen (1476-1494) sind die Reformeinflüsse von Kastl auch in Neresheim spürbar.

1478

Durch Urbarmachung und Schenkung, Tausch und Kauf hat sich die wirtschaftliche Situation des Klosters deutlich verbessert. So gehören unter anderem die Pfarreien Neresheim und Elchingen, Riffingen und Kuchen zum Kloster, au erdem Ländereien, Fischwasser und Wälder in der Umgebung zu seinem Besitz. 1478 erlauben die Einkünfte eine zeitgemäße „Verschönerung“: Die romanische Basilika wird gotisch eingewöbt. Grundriss und Querschnitt der romanischen Basilika des Klosters Neresheim nach Rekonstruktion der in den Jahren 1970 und 1971 freigelegten Fundamente und Mauerreste während der Restaurierung der Abteikirche.


Melker Reform

1497

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wird das Kloster Melk in Niederösterreich reformiert. Beispielhaft wird wissenschaftliche Arbeit im Sinne des Humanismus in den klösterlichen Alltag integriert. Die „Melker Gewohnheiten“ werden 1497/98 auch in Neresheim durch P. Johannes Vinsternau aus Oberelchingen eingeführt, der das Kloster als Abt (1510-1529) zu neuer Bedeutung führt.

Darstellung No. 7

Kloster Melk an der Donau in Niederösterreich. Es übernimmt die vom Kloster Subiaco in Italien ausgehende Reform und wird bereits in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu einer Hoburg benediktinischen Geistes, verbunden mit humanistischer Bildung.

1525

Im Süden Deutschlands tobt der Bauernkrieg. Die Erhebung gegen Leibeigenschaft und Obrigkeitswillkür wird von Plünderungen der Adelssitze und Klöster begleitet. Archiv und Wertsachen werden vom Kloster Neresheim nach Wallerstein verbracht. Abt Johannes Vinsternau kann die Abtei und die umliegenden Orte des Härtsfeldes durch Verhandlungen mit den Anführern der Aufständischen dank seinem Ansehen vor größeren Schäden bewahren.

 

Darstellung Nr. 8

Die Fahne der „Freyheit“. Darstellung aus einem weitverbreiteten Flugblatt zu Beginn der Erhebung. Das Gebiet der Abtei Neresheim bleibt der „alten Kirche“ treu. Der Protest zieht weiter, sucht sich lohnenswertere Ziele.

Eine besondere Kostbarkeit aus der Alten Bibliothek des Kloster Neresheim: „Die Melker Gewohnheiten“. Die benediktinischen Regeln verbunden mit Reformempfehlungen, wie sie vom Kloster Subiaco/Italien übernommen, im Kloster Melk weiterentwickelt und in Neresheim eingeführt wurden. Handschriftliche Aufzeichnung aus den Jahren 1497 und 1498.

Gutenbergs Erfindung der beweglichen Lettern und des Buchdrucks haben die Wissensverbreitung revolutioniert. 1544 erscheint die erste Ausgabe der „Cosmographia“, eine Beschreibung der Städte und Gebiete „Von Teutschlande“, herausgegeben von Sebastian Münzer (1468-1552), Theologe und Kosmograph.

Darstellung Nr. 9

Mit insgesamt 46 Auflagen, die letzte erscheint 1655, wird sein Werk zum meist gelesenen, weitverbreitesten Buch des 16. Jahrhunderts in deutscher Sprache. Auf Seite 989 werden Kloster Neresheim, Härtsfeld und Kochertal dargestellt.

Die erste Schule

1546

Am 25. November 1546 n chtigt Karl V im Kloster Neresheim. Der Sieg seines Heeres über das des Schmalkaldischen Bundes steht bevor. Die Beherbergung des Kaisers, in dessen Reich „die Sonne niemals untergeht“, wird dem Kloster übel vergolten. 1552 wird es von protestantischen Truppen unter Kurfürst Moritz von Sachsen und Markgraf Albert von Brandenburg ausgeraubt, der Abt gefangen gesetzt und ein hohes Lösegeld erpresst.

Darstellung Nr. 10

Kaiser Karl V in der Schlacht von Mühlberg 1547 nach einem Gemälde von Tizian.

1584

Abt Melchior Hänlin (1584-1616) errichtet die erste Klosterschule in Neresheim. Er wendet mehrere tausend Gulden für die Aschaffung wissenschaftlicher Werke und den Ausbau der Bibliothek auf. Er sendet Mönche zum Studium der Philosophie und Theologie an die neue Universität in der nahen Bischofsstadt Dillingen und legt somit den Grundstein für das fortan „höchst ansehnliche“ Ausbildungsniveau des Klosters.

Darstellung Nr. 11

„Klösterliche Unterweisung“ nach einer historischen Buchillustration aus dem 16. Jahrhundert.

Die Älteste Ansicht des romanisch-gotischen Bauensembles von Kloster Neresheim, aus südwestlicher Richtung gesehen, oberhalb der Stadt Neresheim. Nach einem Kupferstich von P. Karl Stengel OSB aus der Zeit um 1619.

1618

Noch im Ausbruchsjahr des Dreißigjährigen Krieges wird unter Abt Benedikt Rohrer (1616-1647) der Bau eines neuen Glockenturmes links vor der alten Abteikirche begonnen, danach der baufällige, alte Turm abgebrochen. 1626 wird die Ausführung unter Verzicht auf einige Meter der anfangs vorgesehenen Gesamthöhe und eine Reihe Ausstattungsdetails angesichts der immer näher rückenden Kriegswirren abgeschlossen.

Darstellung Nr. 12

Nach dem Vorbild des Glockenturmes der Reichsabtei St. Ulrich und Afra in Augsburg erhält Kloster Neresheim sein neues Wahrzeichen. Der neue Turm überragt die alte Basilika um mehr als das dreifache ihrer Höhe, wenngleich er 1626 noch ein Stockwerk weniger als heute misst. Nach einem Brand erhält er Ende des 18. Jahrhunderts ein weiteres Stockwerk und mit neuer Kuppel sein heutiges Aussehen. Westfassade der alten Basilika (Rekonstruktion ihrer Architektur zur Zeit des Turmbaues nach den 1970 und 1971 freigelegten Mauerresten).

1633

Kloster Neresheim ist Kommandantur des Schwedengenerals Lorenz von Hofkirch. Abt und Konventualen sind vertrieben. Am 6. September 1634 unterliegen die Schweden und ihre Verbündeten in der Schlacht bei Nördlingen dem kaiserlichen Heer. Die versprengte Soldateska verbreitet überall im Land Chaos und Hungersnot. Erst nach dem Ende des Krieges kann auf dem Ulrichsberg wieder ein geregeltes klösterliches Leben beginnen.

Darstellung Nr. 13

„Die wilde Soldateska nach der Schlacht bei Nördlingen.“ Nach einer zeitgen ssischen Illustration von 1634.

Der zweite Raum zur Geschichte des Klosters umfasst die Epoche vom Ende des 17. Jahrhunderts bis zur Säkularisation im Jahr 1802 und weist auf die Wiedererrichtung von 1920 hin. In diese Zeitspanne fällt die barocke Erneuerung des gesamten Bauensembles. Ein maßstäbliches Modell zeigt die Klosteranlage im berblick. Links im Bild eine spätbarocke Gemäldedarstellung des Schutzpatrones St. Ulrich, Bischof von Augsburg.

Darstellung Nr. 14

Das Verzeichnis aller 31 Geistlichen, die am Tage der feierlichen Weihe der neuen Abteikirche im Oktober 1792 unter Abt Michael Dobler dem Reichsstift Neresheim angehören. Widmungsblatt für die Festgäste.

Und die Karte der geistlichen Reichsstände, zu denen Neresheim seit 1764 gehörte – ein Präsent, das Abt Benedikt Maria Angehrn, dem ersten Reichsprälaten, in Anerkennung der erwirkten Reichsunmittelbarkeit überreicht wurde.

Die barocke Klosteranlage

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts sind die Folgen des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) so weit überwunden, dass Abt Simpert Niggl mit Blick auf das Jubiläum des sechshundertjährigen Klosterbestehens im Jahr 1695 eine generelle Erneuerung der durch Krieg und Alterung stark geschädigten Bausubstanz beginnen kann. In kluger Weise wird als erstes mit der Errichtung der konomiegebäude begonnen. Die Brauerei und Küferei, die Bäckerei, Schmiede und Wagnerei werden westlich in einem Gebäudetrakt zusammengefasst. Danach folgen in südlicher Richtung das Hospiz, nördlich Schul- und Seminarbauten, sodass unterhalb von Prälatur, Konventbau und Kirche ein u-förmig geschlossener Innenhof entsteht. Zwischen 1699 und 1714 entsteht das neue Konventgebäude. Sein herrschaftlicher Schlosscharakter lässt bereits die angestrebte Reichsunmittelbarkeit der Abtei spüren. Als letztes und größtes Bauwerk wird 1747 die neue Abteikirche begonnen und 1792 eingeweiht. Damit hat die barocke Erneuerung der Klosteranlage ein Jahrhundert beansprucht, begleitet von guten und bisweilen weniger guten Zeitläufen.

Darstellung Nr. 15

Abt Simpert Niggl (1682-1706), Initiator des neuen Baugeistes in Neresheim. Er nahm als Kaplan des Grafen von Oettingen 1699-1701 an einer Gesandschaftsreise nach Konstantinopel teil. Die Gewandung erinnert an den türkischen Aufenthalt.

1750

Am 4. Juli, dem Fest des Hl. Bischofs Ulrich, Schutzpatron der Abtei Neresheim und der Augsburger Diözese, wird 1750 der Grundstein für die neue Abteikirche gelegt. In Anwesenheit von Balthasar Neumann, dem Architekten des großen Bauvorhabens, sowie im Beisein zahlreicher Ehrengäste vollziehen Abt und Konvent unter dreimaligem Salutschuss des Großen Geschützes die symbolischen ersten Hammerschläge des Baubeginns. „Kommt Freunde kommt, frohlockt und schaut Was Herr Prälat Aureli baut. “Beginn des klösterlichen Trinkspruchs, der an der Festtafel während der feierlichen Grundsteinlegung verlesen wurde.


Reichsstift

1764

Neresheim wird unmittelbares Reichsstift, Abt Benedikt Maria Angehrn (1755-1787) erster Reichsprälat. Gegen Besitzabtretungen und Abgeltung erwirbt die Abtei ihre Unabhängigkeit und beendet die seit 1263 währende Auseinandersetzung mit dem Hause Oettingen- Wallerstein um die beanspruchte Schirmvogtei und die damit verbundenen Rechte der Steuer- und Zollerhebung wie auch der uneingeschränkten Forst- und Jagdnutzung.

Darstellung Nr. 16

Die Territorien des Hauses Oettingen und das Gebiet des künftig unmittelbaren Reichsstifts Neresheim. Darstellung aus der bekannten Geographica-Offizin Homann, erschienen um die Mitte des 18. Jahrhunderts.

1792

ist das größte Bauvorhaben des Klosters vollendet: Am 9. September wird die neue Abteikirche durch Weihbischof Johann Nepomuk von Ungelter aus Augsburg geweiht. Von Abt Aurelius Braisch (1739-1755) begonnen und unter Abt Benedikt Maria Angehrn (1755-1787) weitergeführt, schließt ihre Fertigstellung unter Abt Michael Dobler (1787-1802) die barocke Gesamterneuerung des klösterlichen Bauensembles ab.

Darstellung Nr. 17

Der Kupferstich von P. Johann Evangelist Reiter, OSB Neresheim, aus der Festschrift, die zur Einweihung der Abteikirche 1792 erscheint.

Säkularisation

Seit 1792 befinden sich das revolutionäre Frankreich und das monarchistische Österreich im Krieg. Württemberg ist wechselseitiges Aufmarsch- und Durchzugsgebiet der Armeen. Im Sommer 1796 besetzt General Jean Victor Moreau das Reichsstift Neresheim und erpresst erhebliche Kontributionszahlungen. In der „Schlacht bei Neresheim“ brennt die Wallfahrtskirche „Maria Buch“ nieder.

Darstellung Nr. 18

Die Wallfahrtskirche Maria Buch, im Jahr 1796 zerstört.

1802

Nach seinem Sieg erhält das napoleonische Frankreich im Frieden von Lunéville alle linksrheinischen Gebiete zugesprochen. Die Fürsten des Reiches werden aus geist-lichem Besitz entschädigt. 1802 kommt es zur Säkularisation. Kloster Neresheim fällt dem Hause Thurn und Taxis zu. Die Klosterschule wird als „Lyceum Carolinum“ bis 1806 weitergeführt. Nach der Mediatisierung der Grafschaft Taxis durch Bayern müssen die Mönche Neresheim verlassen.

Darstellung Nr. 19

Fürst Carl Anselm von Thurn und Taxis: „Ich bedaure in die Zeit der Räubereien gefallen zu sein; nehme aber ich’s nicht, so nimmt es ein anderer.“ Mit diesen Worten soll der Fürst die Säkularisation des Reichsstifts Neresheim kommentiert haben.

Die Wiedererrichtung

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, dem Zusammenbruch der Donaumonarchie und den politischen Umwälzungen in Böhmen kommen 1919 deutsche Benediktiner aus der Abtei Emaus in Prag als Vertriebene nach Neresheim.

Am 14. Juni 1920 errichtet Papst Benedikt XV das einstige Kloster Neresheim wieder als Benediktinerabtei und gliedert es in die Benediktinerkongregation von Beuron ein. Am 19. August 1921 wird P. Dr. Bernhard Durst, Mönch von Beuron, zum ersten Abt von Neu- Neresheim ernannt.

Fürst Albert von Thurn und Taxis gibt das Bauensemble des Klosters Neresheim samt Kirche, dazu ca. 200 ha Wiesen und Felder als Stiftung der Benediktinerabtei zurück. Die Gebäude müssen mühsam restauriert werden, um ihrer ursprünglichen Nutzung wieder dienen zu können.

1923 nimmt Kloster Neresheim seine Ausbildungs- und Lehrtätigkeit erneut auf, richtet eine staatlich anerkannte landwirtschaftliche Winterschule ein und lässt dazu einige Mönche an der landwirtschaftlichen Hochschule in Hohenheim ausbilden. Der Schulbetrieb wird bis 1968 aufrechterhalten. Der Konvent wendet sich neuen Aufgaben und Bedürfnissen als Haus der Besinnung, Bildung und Begegnung zu.

Darstellung Nr. 20

P. Dr. Bernhard Durst, erster Abt von Neu-Neresheim (1921-1965).

Der Aurelisaal, Raum 3

Die „gute Stube“ der Prälatur gehört zu den architektonisch schönsten Räumen des Baukomplexes. Die Atmosphäre des repräsentativen Raumes erinnert an die Äbte und Bauherren, denen das Kloster seine Erhebung zum Reichsstift verdankt. Rechts im Bild eines der Deckenfresken des Saales. Unten der eigens gefertigte Königsbronner Eisenkunstgussofen mit dem Wappen Württembergs und dem der Abtei.

 

Dem größten und abschließenden Bauvorhaben in der barocken Gesamterneuerung der Klosteranlage ist ein gesonderter Museumsraum gewidmet: der Abteikirche. Die Dokumentation umfasst alle erhalten gebliebenen Plan- und Ausführungszeichnungen in originalgetreuer Wiedergabe und zeitlicher Abfolge ihrer Entstehung. Ergänzend enthält der Rückblick Informationen über den Architekten des Bauwerks: Balthasar Neumann, den wohl bedeutendsten Baumeister seiner Zeit. Im Vordergrund des Fotos das Dachstuhlmodell der Kirche, entstanden 1760.

Eine Videopräsentation zeigt den Ablauf der Rettungsmaßnahmen, von der baupolizeilichen Schließung der Kirche wegen drohender Einsturzgefahr im Jahr 1966 bis zu ihrer feierlichen Wiedereröffnung 1975. Im Bild vorn das Modell zur Konventbausanierung im Rahmen der Gesamtrestaurierung des Bauensembles, die nach der Wiederherstellung der Abteikirche begonnen wurde.

 

Balthasar Neumann und die Abteikirche, Raum 4

Die 1126 errichtete romanische Basilika war wiederholt beschädigt, in Zeiten der Not nur dürftig repariert und mehrmals umgestaltet worden. Ihr baulicher Zustand zeigte zunehmend Mängel. Der Konvent beschließt somit den Bau einer neuen Abteikirche im Stil der Zeit, nachdem die 1694 begonnene generelle Erneuerung aller übrigen Gebäude der Klosteranlage beendet ist.

Für die Planung gewinnt Abt Aurelius Braisch (1739-1755) den Erbauer der Würzburger Residenz: Balthasar Neumann, Obrist der fränkischen Kreisartillerie, Baudirektor der Hochstifte Würzburg und Bamberg. Im September 1747 trifft Balthasar Neumann in Neresheim ein – im Gepäck erste Vorentwürfe sowie „Annotationes für das bauweßen in der hochlöblichen Abtey undt Kloster Neresheimb“, verbunden mit einem Kostenvoranschlag für den Kirchenneubau.

Darstellung Nr. 21

Balthasar Neumann, porträtiert von Giovanni Battista Tiepolo im Treppenhaus-Fresko der Würzburger Residenz.

Abt Aurelius Braisch strebt nach Außerordentlichem. Zur Zeit seines Kirchenbauvorhabens gilt Balthasar Neumann als einer der bedeutendsten Barockbaumeister. Er lehrt Militär- und Zivilbaukunst in Würzburg. Er plant für Kaiserin Maria Theresia in Wien, für den herzoglichen Hof in Stuttgart. In seinem Baubüro beschäftigt er mehr als drei Dutzend Zeichner, beaufsichtigt Baustellen von Köln bis Meersburg. Sein Lebenswerk umfasst 58 ausgeführte Schloss-, Kloster- und Wohnanlagen, 28 Kirchen, 5 Brücken, 8 Wasserkünste und 9 Festungswerke. Die Abteikirche Neresheim wird sein letzter großer Sakralbau, dessen Vollendung erst lange nach seinem Tod erfolgt.

Darstellung Nr. 22

Wirkungsbereich Balthasar Neumanns, ausgeführte Bauten und Projekte.

Die Planung

Im September 1743 hatte Abt Aurelius Braisch an der Weihe der von Balthasar Neumann erbauten Abteikirche Münsterschwarzach teilgenommen. Die Architektur hinterließ nachhaltigen Eindruck. So wünscht sich der Abt für Neresheim zunächst eine Wiederholung dieser Ausführung. Als Balthasar Neumann erstmals nach Neresheim kommt, bringt er zwar auch die Baupläne von Münsterschwarzach mit, kann Abt und Konvent jedoch überzeugen, dass „… aber just nicht eine Kirchen wie die andere heraus kommen muss.“

So entstehen zwischen Juli 1747 und März 1748 die wiedergegebenen Planungsvarianten einer neuen, gänzlich anderen Ausführung. Beim zweiten Besuch Balthasar Neumanns im Juni 1748 in Neresheim einigt man sich auf den Ausführungsentwurf, beginnt danach die Fundamentierung.

Die ersten Vorentwürfe. Zwei Grundrisse, der linke in zwei Varianten. Das Blatt nimmt auf die baulichen Gegebenheiten in Neresheim Bezug: die Weiterverwendung des bestehenden „alten thurm“, links davon der Kirchenneubau auf freiem Gelände, rechts die romanische Basilika, die bis zur Fertigstellung der neuen Kirche weitergenutzt werden soll.

Darstellung Nr. 23

Mehrfarbig lavierte Federzeichnung, das Original im Format von 59 x 47,3 cm, ausgeführt im Juli 1747.

Zweiter Vorentwurf. Situationsplan. Grundriss für den Neubau der Abteikirche in zwei Varianten, beide mit einer Doppelturmfront. Im Anschluss rechts Grundriss des bestehenden Konventgebäudes, dahinter perspektivischer Vorschlag zur Gartengestaltung.

Darstellung Nr. 24

Mehrfarbig lavierte Federzeichnung, Originalformat 44,1 x 59,2 cm, gefertigt zwischen Juli und September 1747.

Links: Situationsplan der gesamten Klosteranlage von Neresheim mit Grundrissen des Kirchenneubaues. Der große Plan, aus neun Papierstücken zusammengesetzt, erweist sich als mehrfach verwendete und abgeänderte Arbeitsunterlage.

Darstellung Nr. 25

Farbig und grau lavierte, teils getuschte Feder- und Bleistiftzeichnung. Originalformat 70,4 x 113 cm, gefertigt zwischen Juli und September 1747.

Rechts: Dritter Vorentwurf mit einer Variante. Lang- und Querhaus gewinnen ihre endgültige Gestalt. Der Grundriss zeigt im Vergleich zu den ersten Entwürfen eine langgestrecktere, schmaler wirkende Kirche. Vier Säulenpaare, von den Wänden abgerückt, stützen das Längsoval der Hauptkuppel. Dazu eine Variante mit leicht geänderten Details, insbesondere im Bereich der Westfassade und dem Eingangsbereich.

Darstellung Nr. 26

Farbig lavierte Federzeichnungen im Format 39,2 x 62 cm sowie 25,9 x 38,4 cm, gefertigt zwischen September und Dezember 1747.

Vorläufiger Ausführungsentwurf und Teilgrundriss zur südöstlichen Vierungspartie. Entstanden Ende Mai, Anfang Juni 1748.

Darstellung Nr. 27

Federzeichnungen, farbig laviert. Grundriss im Originalformat 42,8 x 59,3 cm, Detailzeichnung 63,4 x 53,9 cm.

Die Ausführung

Von den Entwurfs- und Ausführungszeichnungen für den Neubau der Abteikirche Neresheim sind 20 Pläne erhalten, deren Anfertigung gesichert dem Baubüro Balthasar Neumann, den persönlichen Vorgaben oder Korrekturanweisungen des Baumeisters zuzuschreiben ist. Ihre Bewahrung ist der „Sammlung Eckert“ zu verdanken, einer der bedeutendsten Plansammlungen zur Geschichte der Baukunst im Barock. Die Sammlung befindet sich heute im Besitz des Mainfränkischen Museums Würzburg.

Anhand dieser Planreihe lässt sich nachvollziehen, wie Balthasar Neumann Schritt für Schritt seine Vision für Neresheim entwickelte, umsetzte, auch technische Probleme ausräumte, um seinem letzten großen Sakralbau jene Bedeutung zu geben, über die Georg Dehio im Handbuch der Deutschen Baudenkmäler urteilt: „Die Barockarchitektur nicht nur Deutschlands, sondern Europas, hat weniges, was sich mit ihm messen kann.“

Darstellung Nr. 28

Die alte Kirche soll während der Bauzeit weiter genutzt werden. Damit es ohne Beeinträchtigung geschehen kann, zeichnet Leonhard Stahl, Bauleiter in Neresheim, einen Grundriss der neuen und alten Kirche zur genauen Festlegung der Neubau-Fundamentierung. Die mehrfarbig lavierte Federzeichnung ist mit Bleistiftkorrekturen von Balthasar Neumann versehen. Originalformat 38,5 x 53,3 cm, gefertigt im September/Oktober 1748.

Links: Aufriss der Westfassade. Mit diesem Plan wird erstmals die Außenansicht der neuen Abteikirche aufgezeigt, wie sie in den Ausführungsbesprechungen mit Abt und Konvent festgelegt wurde. Auf die anfänglich beabsichtigte Doppelturmfassade ist verzichtet. Die Zeichnung ist von Balthasar Neumann beschriftet: „Littera C. Die vordere Faciata der Ney Erbauenden Kirchen des löblichen stifts und Closters Neresheim.“

Darstellung Nr. 29

Mehrfarbig lavierte Federzeichnung, datiert vom 27. Dezember 1747. Originalgröße 43,3 x 48,9 cm.

Rechts: Längsschnitt des Neubaues sowie Grundriss der alten und neuen Abteikirche. Der Grundriss berücksichtigt alle Korrekturen, die Balthasar Neumann in die vor Ort gefertigte Zeichnung von Leonhard Stahl zur Fundamentierung eingetragen hatte. Entsprechend ist auch der Längsschnitt ausgeführt.

Darstellung Nr. 30

Mehrfarbig lavierte Federzeichnung. Originalgröße 39,1 x 53,7 cm, gefertigt im Spätherbst 1748.

Überarbeiteter Grundriss der alten und neuen Abteikirche sowie Längsschnitt. Am 2. Februar 1749 schreibt Balthasar Neumann an Abt Aurelius Braisch, dass er an Plänen für Neresheim „in einer resonablen grösse“ arbeite. Die bisher vorgesehene Ausführung ist in diesen großen, sehr genau gearbeiteten Zeichnungen schwarz laviert, rot eingetragen sind detaillierte Nachbesserungen.

Darstellung Nr. 31

Grundrisszeichnung 94,2 x 60 cm, Längsschnitt 93,5 x 62,9 cm, gefertigt im Januar 1749.

Rechts: Der Plan ergänzt den Längsschnitt und den Grundriss, die im Januar 1749 erarbeitet wurden. Er zeigt in großem Maßstab links den Schnitt durch den nördlichen Querarm und die halbe Hauptkuppel, rechts durch die südliche Fassadenhälfte.

Darstellung Nr. 32

Mehrfarbig lavierte Federzeichnung, Originalformat 65,1 x 72,3 cm, gefertigt im Januar 1749. Im Querhausschnitt weist eine Bleistiftkorrektur am Hauptgesims auf eine Änderung hin.

Querschnitt durch das Langhaus und halber Querschnitt durch das Zwickeljoch zwischen Langhaus und Vierung. Die in dichter Folge zwischen Januar und März 1749 gefertigten Ausführungspläne belegen die eingehende Beschäftigung Neumanns mit zahlreichen Details, die noch der Klärung bedurften.

Darstellung Nr. 33

Farbig lavierte Federzeichnung, Originalformat 43,6 x 65,4 cm, entstanden Januar/Februar 1749.

Rechts: Aufriss der Westfassade. Von dem früheren, im Dezember 1747 gezeichneten Fassadenentwurf unterscheidet sich die nunmehrige Ausführungszeichnung im Wesentlichen durch ihre vergrößerte Fensterzahl.

Darstellung Nr. 34

Mehrfarbig lavierte Federzeichnung, Originalgröße 48,3 x 65,2 cm, gefertigt zwischen Januar und März 1749.

Links: Grundriss, halbseitig in verschiedenen Höhen, und Längsschnitt mit halbem Grundriss der Kuppellaterne. Die Pläne fassen in Reinzeichnung zusammen, was in den Ausführungen vom Januar 1749 an Detailverbesserungen vorgeschlagen wurde.

Darstellung Nr. 35

Mehrfarbig lavierte Federzeichnungen, Grundriss im Originalformat 91 x 58,9 cm, Längsschnitt
93,2 x 62,9 cm, beide Pläne datiert März 1749.

Reinzeichnung zur endgültigen Gestaltung der Westfassade. Die reichhaltige Ornamentik ist gegenüber dem Plan vom Januar 1749 vereinfacht, die Heiligenfiguren auf der Dachbalustrade sind entfallen.

Darstellung Nr. 36

Mehrfarbig lavierte Federzeichnung, Originalformat 50,2 x 62,8 cm, gefertigt im März 1749.

Die Einwölbung

Letzte Ausführungszeichnung. Während die Bauarbeiten bereits beginnen, wird auf Wunsch von Abt Aurelius Braisch der Chorraum nochmals verbreitert. Dadurch überwölben querovale und nicht kreisrunde Kuppeln den Chor.

Darstellung Nr. 37

Mehrfarbig lavierte Federzeichnung, Originalgröße 32 x 53 cm, entstanden Ende 1750, Anfang 1751.

Am 19. August 1753 verstirbt Balthasar Neumann nach kurzer fiebriger Erkrankung überraschend. Sein Sohn Franz Ignaz Michael Neumann, bereits mehrere Jahre an der Seite des Vaters tätig, bewirbt sich um die Weiterführung des Neresheimer Kirchenneubaues, wird von Abt Aurelius Braisch wegen seines „jugendlichen“ Alters von 20 Jahren aber abschlägig beschieden. Die Bauarbeiten kommen nur schleppend voran, weisen Missstände und erhöhte Kosten auf. Am 2. Juni 1755 resigniert Abt Aurelius Braisch. Sein Nachfolger Abt Benedikt Maria Angehrn lädt Franz Michael Neumann nach Neresheim ein, um insbesondere konstruktive Vorschläge für die Kuppeleinwölbung zu erhalten. Neumann fertigt einen technisch richtungsweisenden Plan mit detaillierten Anweisungen, die man in Neresheim allerdings nicht umzusetzen wagt.

Darstellung Nr. 38

Konstruktionsriss für die Wölbung und für den Dachaufbau der Kirche. Mehrfarbig lavierte Federzeichnung, signiert „Neresheim 1. August 1755, Ignat. Franc. Mich. Neumann“. Format 71,5 x 102 cm

Die Vollendung

Zur Fortführung des Kirchenbaues wird 1759 Johann Baptist Wiedemann, Baumeister aus Donauwörth, verpflichtet. Ihm sind die Vollendung, auch die Einwölbung der Kuppeln zuzuschreiben, die wegen ihrer „fast ohnmöglichen Erschwingung“ nicht in Stein, sondern in Holz erfolgt. Aus Kostengründen wird auch auf eine Reihe schmückender Details verzichtet, die Balthasar Neumanns Planzeichnungen enthalten. Bis 1769 ist die Kirche so weit fertiggestellt, dass der Maler Martin Knoller mit der Arbeit an den Kuppelfresken beauftragt werden kann.

1776 beginnt Thomas Schaidhauf, Bildhauer und Architekt aus Raisting bei Wessobrunn, mit der Ausgestaltung des Innenraumes. Nach seinen Entwürfen entstehen der Hochaltar und die Nebenaltäre, Kanzel und Taufstein im „Zopfstil“, dem Frühklassizismus.

1782 zieht der Konvent in die neue Abteikirche ein. Die alte Basilika wird abgetragen, die Lücke zum Konventbau hin geschlossen. Am 9. September 1792 folgt die feierliche Weihe der neuen Abteikirche. Erst danach kann der berühmte Orgelbauer Johann Nepomuk Holzhay aus Ottobeuren die große Hauptorgel erstellen. 1797 ist sie fertig. Ein halbes Jahrhundert ist seit Beginn der Planungsarbeiten für die neue Kirche vergangen.

Darstellung Nr. 39

Längsschnitt des Kirchenraumes und Sicht auf die Kuppelwölbung und den Dachraum in tatsächlicher Ausführung.

Die Orgel der Abteikirche

Mit der Erstellung der Hauptorgel beauftragt Abt Michael Dobler „Schwabens berühmtesten Orgelbauer“: Johann Nepomuk Holzhay aus Ottobeuren. Bereits 1780 war ihm die Ausführung angetragen worden. Da der vielbeschäftigte Meister jedoch zu dieser Zeit an der großen Orgel für das Kloster Obermarchtal arbeitete, auch die Fertigstellung der Neresheimer Abteikirche andauerte, kommt es erst im August 1792, im Jahr der Kirchweih, zum Kontraktabschluss.

1795 werden die ersten 15 der insgesamt 48 Register in den von Thomas Schaidhauf entworfenen Gesamtprospekt des Orgelwerkes eingebaut. Der Krieg und die Franzosendurchzüge auf dem Härtsfeld verhindern 1796 die Fortführung der Arbeit. Erst im August 1797 kann Holzhay mit seinen Gesellen wieder nach Neresheim kommen, „um das Werk heuer zu vollenden, wenn es je noch möglich ist.“

Genau mit dem Ende des Jahres ist es so weit. Am Neujahrstag 1798 erfüllt die neue, große Orgel zum ersten Mal den Raum der Abteikirche mit ihrem einzigartigen Klang.

Darstellung Nr. 40

Johann Nepomuk Holzhay, 1741-1809. Ölgemälde im Klostermuseum Ottobeuren.

Martin Knoller und die Freskomalerei, Raum 5

Der letzte Museumsraum im Obergeschoss des Prälaturgebäudes ist der Freskomalerei von Martin Knoller für die Abteikirche vorbehalten. Nach zahlreichen Vorstudien und Detailzeichnungen beginnt der Tiroler Künstler mit der formalen Gesamtgestaltung der jeweiligen Bildthematik. Für jedes der sieben Deckengem lde entsteht ein Ölbild als Entwurf. Die sogenannten „Ölskizzen“ sind im Besitz der Abtei Neresheim verblieben.

Unter jeder Ölskizze befindet sich, ausziehbar, eine hinterleuchtete Wiedergabe des ausgeführten Deckenfreskos, zusammen mit einer Beschreibung des Bildinhaltes und der Hauptfiguren. So ist dem Museumsbesucher ein interessanter, Vergleich zwischen Entwurf und Ausführung der Neresheimer Fresken von Martin Knoller möglich.

 

Die Freskomalerei

Am 23. November 1769 schließt das „Hochlöbl Reichs-Stift Neresheim“ mit dem „Hochedelgebohrenem Herrn Knoller Kunsterfahrensten Mahler“ einen Akkord, „... die Hiesige, Neue Kirchen durchaus, was die ganze Fresco-Mahlerei anbelanget, nach seinen erprobten Künsten auf das Beste zu mahlen …“.

Neben zahlreichen Vorstudien zu einzelnen Figurengruppen fertigt Martin Knoller für jede der sieben Kuppelfresken eine sogenannte Ölskizze als Entwurf, welche die Bildthematik und Komposition zusammenfasst. Am 22. Juni 1770 nimmt er die Ausführung auf und ist in den Sommermonaten der folgenden Jahre in Neresheim tätig. Im August 1775 vollendet er sein Werk.

„Hier kann, hier muss ich mir Ehre machen …“, soll Martin Knoller ausgerufen haben, als er die neue Kirche erstmals betrat.

Die Kuppelfresken der Abteikirche Neresheim sind Martin Knollers bedeutendster Gemäldezyklus – eine Sternstunde der abendländischen Freskomalerei, der genialen Architektur Balthasar Neumanns würdig und ebenbürtig.

Darstellung Nr. 41

Vorstudie Martin Knollers zum Fresko der „Taufe Jesu im Jordan“.

Aus der Nähe betrachtet und aus dem Blickwinkel gesehen, aus welchem Martin Knoller die mehr als 300-400 Figuren der Neresheimer Deckenfresken ausführte, offenbart sich die Souveränität und Virtuosität seiner Kunst.

Die Freskotechnik erfordert eine akribische Vorarbeit und perfekte Beherrschung alles Gewollten. In ihr ist jeder Pinselstrich endgültig. Korrekturen sind nicht möglich. Die Bildkompositionen werden in den feuchtfrischen Putz gemalt. Das Eindringen der Farben in den Untergrund gewährleistet ihre Leuchtkraft und Haltbarkeit.

Der Maurer trägt den Mörtel für eine Tagesleistung auf. Der Freskant drückt die Konturen seiner originalgroßen Entwurfszeichnungen in den nassen Malgrund, um dann rücklings auf dem Hängegerüst Detail für Detail so schnell wie möglich auszuführen.

Darstellung Nr. 42

Aus der Nähe wiedergegeben: Kopf Johannes des Täufers aus dem Kuppelfresko die „Taufe im Jordan.“

Die Ölskizzen

Jesu treibt die Händler aus dem Tempel

Als erstes Kuppelbild nach dem Eingang und dem Betreten der Kirche ist die Tempelreinigung vorgesehen. Die Thematik des Bildes ist die Aufforderung, den profanen Interessen zu entsagen und sich dem zu öffnen, der Herr dieses Hauses ist. Der Geläuterte ist willkommen und eingeladen näherzutreten.

Der zwölfjährige Jesu lehrt im Tempel

Das zweite Gemälde zeigt den Jesusknaben im Kreis der Schriftgelehrten. Jesus spricht zu den Kundigen des Alten Bundes. Sie wissen nicht, wer er ist, woher seine Weisheit kommt. Seine Worte richten sich im übertragenen Sinne ebenso an die Gläubigen des Neuen Bundes, an alle, die in der Kirche verweilen.

Die Anbetung der Heiligsten Dreifaltigkeit

Die Ölskizze für die östliche Hälfte der Hauptkuppel zeigt mit ihrer Figurenvielfalt Martin Knollers barocke Virtuosität: im Scheitel der Kuppel die Allerheiligste Dreifaltigkeit; den ewigen Vater, neben ihm Jesus, beide umgeben von Engelscharen und über ihnen der Heilige Geist in Gestalt der Taube.

Die Taufe Jesu im Jordan

Jesus, auf dem Ufergestein kniend und mit einem Fuß im Wasser stehend, neigt sich in Andacht und Demut vor seinem Vetter, dem Täufer, der aus der Schale einer Muschel das Wasser auf sein Haupt rinnen lässt. Ein Engel hält den Mantel des Herrn. Das zentrale Geschehen ist in hellstes Licht getaucht.

Die Darstellung Jesu im Tempel

Nach dem mosaischen Gesetz musste jeder erstgeborene Sohn Gott im Tempel geweiht und durch ein Reinigungsopfer ausgel st werden. Eifrig im Glauben und in der Befolgung der Gesetze bringt Maria ihr Kind dar.

Die innige Verdichtung der Handlung ist ein Knollersches Meisterwerk. Während des Winters fertigte der Maler in Mailand die Detailskizzen. In einem Brief vom 7. Februar 1775 schreibt er Benedikt Maria Anghern, er sei „... begierig, diese in das Werkh zu stöllen, umb den effect in großen zu sehen, weillen diese inventionen ganz frembdte seien ausgefallen.“

Die Auferstehung des Herrn

Die Ölskizze übertrifft in ihrer Dramatik von Ruhe und Bewegung die übrigen Freskoentwürfe. Christus, der Sieger über den Tod, ist dem Grabe entstiegen und steht aufrecht, die Siegesfahne in seiner Linken auf dem Sarkophag. Teufel, Frau Welt und Cupido stürzen aus dem Bildrahmen heraus.

Das Abendmahl

Im Entwurf für das Kuppelbild über dem Hochaltar hat Christus den Kreis der zwölf Apostel um den Abendmahlstisch versammelt. Er schenkt ihnen das Wunder seiner Liebe, seinen Leib und sein Blut zum Andenken seines Leidens und seines Todes. Sein Antlitz lässt Würde und Opferbereitschaft erkennen.


Die Stuckierung

Thomas Schaidhauf aus Raisting bei Wessobrunn, Mitglied der Stuttgarter Karlsakademie führt zwischen 1776 und 1778 die gesamte Stuckierung aus. Er stellt sein Können so trefflich unter Beweis, dass ihn Abt Benedikt 1779 bewegt, als Baudirektor in den ständigen Dienst der Abtei zu treten. Neben der Leitung allgemeiner Bauangelegenheiten obliegen ihm selbst der Entwurf und die Ausführung aller Marmorarbeiten, der Altäre sowie Kanzel und Taufstein, die in der Zeit von 1779 bis 1790 entstehen.

Die Inneneinrichtung der Abteikirche trägt die frühklassizistische Handschrift von Thomas Schaidhauf. In vollem Einklang mit Balthasar Neumanns spätbarocker Raumidee steht somit allein noch Knollers Deckenmalerei. Dafür waren zwei Ursachen mitbestimmend: Einerseits hatten die Baukosten alle Schätzungen übertroffen, sodass sich Abt Angehrn bei der weiteren Ausgestaltung zu äußerster Zurückhaltung genötigt sah. Andererseits lagen zwischen Neumanns Plänen und den Ausstattungsarbeiten, drei Jahrzehnte in denen sich immer rascher der Wandel des Kunstempfindens vom Barock zum Klassizismus vollzogen hatte.

Man hat diesen Umstand häufig bedauert. Tatsache ist jedoch, dass auch Balthasar Neumann bereits eine außerordentlich dezente Stuckierung vorgesehn hatte, wie auch aus seinen Entwürfen ersichtlich ist.

 

Darstellung Nr. 43

Entwurf von Thomas Schaidhauf zur Stuckierung von Langhaus und Chorwänden.

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